Etwa 100 Jahre nach Christi Geburt schrieb der römische Dichter Juvenal (Decimus Iunius Iuvenalis): „Orandum est ut sit mens sana in corpore sano – Man sollte darum beten, dass ein gesunder Geist in einem gesunden Körper sei.“ Das ist ein ganz schlichter Wunsch: Körper und Geist sollen beide gesund sein.
Ein paar Jahrzehnte zuvor war der 1. Timotheusbrief entstanden, in dem wir lesen: „Übe dich in der Frömmigkeit! Denn körperliche Übung nützt nur wenig, die Frömmigkeit aber ist nützlich zu allem: Ihr ist das gegenwärtige und das zukünftige Leben verheißen.“ (1 Tim 4,7b.8) Da liegt der Fokus eher auf der seelischen Gesundheit. Aber auch das ist ein nüchterner Satz.
Körper, Geist und Seele sollen gesund bleiben oder zumindest gesund werden.
Unsere Welt sorgt aber dafür, dass genau das Gegenteil passiert. Dabei ist es müßig, zum Beispiel all die Länder zu zählen, in denen gerade Krieg herrscht – es werden ständig mehr. Oder die Anzahl der Menschen, die auf der Flucht sind. Die durch Waffen und Gewalt und Hunger und vermeidbare Krankheiten sterben. Die keine Schule besuchen können aufgrund ihres Geschlechtes, ihres Glaubens, ihrer Hautfarbe oder einer anderen menschlichen Eigenschaft, die von meist männlichen Machthabern abgelehnt und brutal verfolgt wird. Schutzlose Menschen, die aus allem ausgeschlossen werden, das für seelische, körperliche oder geistige Gesundheit relevant wäre.
Ich schaue noch einmal in die Bibel.
Auch wenn das Wort Frömmigkeit im 1. Brief an Timotheus veraltet klingen mag: Es geht dem Schreiber der biblischen Zeilen darum, Timotheus und seine Gemeinde zu ermuntern, nicht nachzulassen im Kontakt mit Gott. Das Wort im griechischen Originaltext lautet εὐσέβεια (eusebeia) und wird in verschiedenen Sprachen unterschiedlich übersetzt. Englisch ist es devotion, Hingabe (an Gott). Französisch piété, Spanisch piedad, Italienisch pietà, ursprünglich im Lateinischen pietas mit der BedeutungPflichtbewusstsein, schwingt bei diesen Sprachen heute auch Ehrfurcht und Respekt mit. Diese Sprachen betonen eher die Haltung, während das Englische oft die Widmung des ganzen Lebens an Gott meint.
Ich finde, dass wir von allem etwas gebrauchen können. Wir brauchen sowohl die richtige Haltung von Ehrfurcht und Respekt als auch die Hingabe unseres Lebens an Gott. Denn das ist die Basis, um Zeichen des Friedens und der Gerechtigkeit in unserer Welt setzen zu können. Und wir brauchen Frieden und Gerechtigkeit, damit die Kriege aufhören und die Menschen als gleichwertig gesehen und behandelt werden.
Zur Frömmigkeit gehört das Gebet wie das Atmen zum Menschen. Selbst Juvenal, der ein großer Satiriker und Religionskritiker war, ruft ja zum Gebet auf (Orandum est…). Lassen wir daher keine Gelegenheit aus und beten wir um Frieden. Und lassen wir zu, dass wir uns verändern hin zu Menschen, die daran glauben, dass ihnen „das gegenwärtige und das zukünftige Leben verheißen“ ist.
Ihr und euer
Diakon Edgar, der Diakon mit der Mütze
Deutschsprachige Katholische Gemeinde Korea