In der Vollmondnacht des zwölften Monats des thailändischen Mondkalenders (meistens Anfang November) feiern die Thailänder ihr vielleicht schönstes Fest: das Laternenfest Loy Kratong im Süden und in der Variante Yee Peng in Chiang Mai und Umgebung.
Ein Lichtermeer – unzählige schwimmende Lotus-förmige Körbchen, die mit Kerzen, Inzens und Blumen geschmückt, ab Sonnenuntergang in Bächen, Flüssen und Seen im Süden treiben, und Tausende leuchtender Laternen, die langsam in den Nachthimmel von Nordthailand aufsteigen.
Gemeinsam ist beiden Varianten, mit den Laternen alles Negative und Belastende loszulassen, ins Wasser oder in den Himmel, zu danken dafür, dass das Wasser und der Himmel einen das letzte Jahr am Leben erhalten haben und gemeinsam voller Freude einen neuen Anfang zu feiern.

(Bild Yee Peng)
Besonders schön finde ich, dass dieses Jahrhunderte alte Fest eine Entsprechung in meiner bayerischen Heimat hat:
Am 13.12., dem Gedenktag der Heiligen Lucia findet in Fürstenfeldbruck bei München das sogenannte „Lichterschwemmen“ statt. Seinen Ursprung hat das Fest im Jahre 1785, als Fürstenfeldbruck von einem Hochwasser der Amper bedroht war. Seit damals werden selbstgebastelte Schiffchen mit brennenden Kerzen den Fluten der Amper übergeben, als Bitte um Schutz vor Hochwasser, aber auch als Zeichen dafür, dass wir in Gott geborgen sind.
Laternen in den Himmel aufsteigen zu lassen, ist in den meisten Gegenden aus Sicherheitsgründen verboten und auch Schiffchen mit brennenden Kerzen darauf in Gewässern auszusetzen, widerspricht dem Umweltschutzgedanken (hier und in Fürstenfeldbruck wird noch in der Nacht alles wieder eingesammelt und gesäubert).
Und doch! Wie wäre es, einen Spaziergang zum Sonnenuntergang / in der Dämmerung zu einem nahegelegenen Gewässer zu machen, ein Stück Holz oder ein paar zusammengebundene Herbstblätter mit einer Blume zu schmücken und mit allem, was uns bedrückt, ärgert, leidtut oder sorgt ins Wasser zu setzen und zuzuschauen, wie alles Belastende, alles Sorgen davonschwimmen.
Wir dürfen uns und unser Schicksal in die Hände Gottes legen, in einer Vollmondnacht und immer!


(Bild Loy Kratong in Deutschland)
Beate Czabaun, Bangkok