Wir übernehmen tragende Rollen in Familie, in Gemeinschaften, im Beruf, auch im öffentlichen Leben und der Kirche. Vielfältige Aufgaben werden uns übertragen, die mit der zunehmenden Technisierung nicht weniger, sondern eher mehr werden.
Wir tragen Verantwortung. Wir müssen auch lernen, einander zu „ertragen“, was wohl am schwersten wiegt. Zugebenermaßen, wir können einander schon ziemlich auf die Nerven gehen, mit unseren so verschiedenen Ideen, Weltsichten, Träumen, und das vermischt mit unseren Grenzen und Fehlern. Wir müssen lernen, uns in Geduld zu üben.
Vieles kommt dann auch oft so ganz anders als geplant und erwartet. Der Hl. Josef ist unser adventlicher Master im geduldigen Warten, nicht im Herbeibrechen von Lösungen. Wir können uns wahrlich ein Stück abschneiden von seinem Maß des „Ertragens“, von „seinen durchkreuzten Plänen,“ von seiner Eselsgeduld, seinem „Warten auf Godot!“
Lassen wir uns nicht auf den Arm nehmen von oberflächigen und kurzsichtigen Versprechungen, die letztlich ins Leere führen, zur Ent-täuschung werden. Lassen wir uns behutsam von Ihm selber in den Arm nehmen, der schon unterwegs ist zu uns, um bei uns zu sein (Immanuel), um bei uns zu bleiben, um uns zu trösten (Jesaja 40:1-11), oder wie es im heutigen Evangelium heißt: „Wie ein Hirt weidet er seine Herde, auf seinem Arm sammelt er die Lämmer, an seiner Brust trägt er sie, die Mutterschafe führt er behutsam.“ (Mt 18:14).
P. Prof. Dr. Franz Gassner
Deutschsprachige Katholische Gemeinde Macau
Foto: Franz Gassner (St. Joseph Statue an der Universität St. Joseph, Macau, S.A.R. China)