Am Abend des 24. Dezember stehen wir an der Schwelle zum Fest der Geburt Christi.
Die Welt hält für einen Moment inne, als lausche sie dem einen Wort, das Gott heute spricht: „Ich bin bei euch.“
Wenn wir an die Krippe treten, sehen wir ein kleines Kind – arm, verletzlich, ungeschützt. Und doch: In diesem Kind bricht das Licht Gottes auf.
Ein Licht, das nicht blendet, sondern wärmt; ein Licht, das nicht überstrahlt, sondern Menschen zusammenführt.
Gerade in der tamilischen und indischen Literatur begegnen uns Bilder, die uns den Sinn dieses Lichtes neu erschließen.
Der tamilische Dichter Tiruvalluvar beschreibt die wahre Liebe als ein Feuer, das „nicht sich selbst sucht, sondern den anderen hell macht“.
Dieses Bild führt uns mitten hinein in das Geheimnis dieser Nacht:
Gott wird Mensch, um uns hell zu machen – nicht durch Gewalt, sondern durch Güte.
In vielen Bhakti-Hymnen Südindiens wird Gott als derjenige besungen, der die Ferne überwindet, um Nähe zu schenken, der groß ist und sich doch klein macht, der unendlich ist und doch ein Herz aus Fleisch annimmt.
Dieser Gedanke ist zutiefst weihnachtlich:
Das Ewige beugt sich in unsere Endlichkeit.
Der Allmächtige kommt in einem Kind, damit niemand zu gering sei, ihn zu empfangen.
Auch die alten tamilischen Erzählungen, die von anbu, der verbindenden Liebe, sprechen, erinnern uns heute:
Die Menschwerdung Gottes ist ein Wort der Zärtlichkeit an die Welt.
Ein Wort, das sagt: „Ihr gehört zusammen. Ihr seid füreinander gegeben.“
In Indien nennt man das Teilen von Nahrung annadānam:
eine Tat, die nicht nur den Leib nährt, sondern die Seele verbindet.
Was Gott an Weihnachten tut, ist auf wunderbare Weise ein göttliches annadānam:
Er schenkt sich selbst – nicht im Überfluss, sondern in der Einfachheit einer Krippe.
Und wer dieses Geschenk annimmt, wird selbst zum Geschenk für andere.
So ruft uns dieser Heilige Abend:
Sieh das Licht, das gekommen ist –
und werde selbst ein Licht.
Sieh die Liebe, die sich verschenkt –
und werde selbst ein Mensch des Gebens.
Sieh das Kind, das Frieden bringt –
und werde selbst ein Zeichen des Friedens.
Dann wird Weihnachten 2025 mehr sein als ein Datum im Kalender.
Es wird zu einer Begegnung, die das Herz verwandelt.
Zu einem Licht, das weiterleuchtet.
Zu einer Liebe, die – wie in den Liedern Indiens und in der Botschaft des Evangeliums – stärker ist als jede Finsternis.
So segne Gott diesen Abend, damit er in dir das Licht entzünde, das die Welt braucht.
Pfarrer Dr. Arul Lourdu
Deutschsprachige Katholische Gemeinde Neu Delhi
https://emmausgemeinde.in/