Der Tempel von Jerusalem war für die Menschen zur Zeit Jesu das Haus Gottes, der Ort, an dem Himmel und Erde sich berühren. Jeder sollte dort eintreten können, um Gott zu begegnen, zu beten und Opfer darzubringen.
Doch als Jesus zum Paschafest dorthin kommt (vgl. Joh 2,13-22), findet er einen Ort vor, der seine ursprüngliche Bedeutung verloren hat. Zwischen Opfergaben, Geldwechslern und Geschäften ist die Tür zu Gott zwar äußerlich offen, aber innerlich verschlossen. Der Glaube ist zum Handel geworden, die Begegnung mit Gott zu einer Frage des Tausches: Wer etwas bringt, erwartet etwas zurück. In diesem Moment greift Jesus ein. Er treibt die Händler hinaus und ruft: „Macht das Haus meines Vaters nicht zu einer Markthalle!“
Jesus will keine verschlossenen Türen, sondern offene Herzen. Seine Tat im Tempel ist kein Wutausbruch, sondern ein Akt der Befreiung: Er entfernt das, was den Weg zu Gott versperrt, und öffnet zugleich einen neuen Zugang. Wenn er sagt: „Reißt diesen Tempel nieder, und in drei Tagen werde ich ihn wieder aufrichten“, deutet er auf sich selbst. Durch ihn wird die Tür zum Vater neu geöffnet. Die lebendige Beziehung zu Christus schafft den Zugang zu Gott.
Gehen wir durch diese Türe hindurch.
Ihr und euer Diakon Edgar