Die Versuchung scheint übermächtig zu sein. Seitdem die Künstliche Intelligenz ihren Siegeszug durch unsere Welt angetreten hat, sind wir nirgendwo mehr sicher vor ihren Produkten. KI-generierte Texte finden sich inzwischen in unzähligen Beiträgen auf Facebook und Instagram. Sie ist implementiert in die ganze normale Textverarbeitungssoftware. Ich finde nachweislich KI-generierte Texte in sogenannten Fachartikeln und Kommentaren. Auf Twitter und Threads werden KI-generierte Geschichten aus dem Leben gepostet, die folglich so gar nicht stattgefunden haben können.
Nun denke ich, dass die KI sehr nützlich sein kann. Wenn medizinische Befunde viel schneller interpretiert werden können, wird Zeit gespart und den kranken Menschen kann früher geholfen werden. Ich selbst nutze sie zum Beispiel, wenn ich in HTML eine Webseite überarbeite und Hilfe brauche beim Erstellen eines besseren Codes. Und bei der Bilderstellung für einen Beitrag über KI ist die KI auch nützlich.
Die Möglichkeiten sind ganz offensichtlich grenzenlos. Aber dennoch meine ich, dass es zumindest eine Grenze geben sollte, die gerade wir in der Kirche einhalten sollten. Ich meine die Verkündigung, das Sprechen über Gott und das Evangelium.
Die Bibelstelle in Exodus 32 – der Tanz um das goldene Kalb – soll dabei helfen, dies zu veranschaulichen.
Das Volk Israel möchte eine Gottheit haben, die vor ihm herzieht, und so schaffen sie sich einen Gott nach ihrem Bild und aus ihrem eigenen Gold.
Modernere KI-Apps ermöglichen es uns – wenn wir entsprechend bezahlen – den „perfekten“ Partner oder die „ideale“ Freundin zu erschaffen. Man kann entscheiden über Aussehen, Charakterzüge und Hobbies. Letztlich interagieren wir mit einem Algorithmus, der eine Projektion unserer eigenen Vorlieben ist. Oder anders formuliert: Wir interagieren mit einem Spiegel.
Das Goldene Kalb entstand, weil Mose zu lange auf dem Berg Sinai blieb. Das Volk hielt einfach die Ungewissheit und die Stille Gottes nicht aus. Sie brauchten jetzt und sofort einen Gott. Auf die Weisung Gottes, letztlich auf die 10 Gebote, wollten sie nicht warten.
Naja, echte menschliche Beziehungen sind schon anstrengend, sind unvorhersehbar und erfordern Geduld. Und auch die Beziehung zu Gott kann kompliziert sein.
Eine KI-Person hingegen ist immer verfügbar. Sie antwortet sofort und liefert die Bestätigung, nach der wir dürsten. Sie agiert letzlich mit göttlichem Anspruch. Sie antwortet auf die Einsamkeit und Stille, genau wie das Gold in der Wüste, mit einem künstlichen Glanz.
Ich hab in den letzten Tage etliche kirchliche Texte online gefunden, die nachweislich KI-generiert waren. Dazu gehören Predigten, Impulse von kirchlichen Redaktionen bei Radiosendern und sogar Artikel bei katholischen Nachrichtenportalen. Selbst dort, wo ja Redakteure und Autoren arbeiten, die die Qualität der Texte überprüfen könnten, werden KI-Texte offensichtlich durchgewunken.
Papst Leo hat im Februar betont, dass KI keinen Glauben teilen könne. Predigten dürften nicht delegiert werden. Glaube und Weitergabe des Glaubens brauchten ein menschliches Gesicht.
Und warum ist das so? Weil Glaube immer etwas personales ist, persönlich weitergegeben von Generation zu Generation, von glaubenden Menschen, die ihre ureigene Lebenserfahrung in diese Vermittlung geben. Dadurch wird Glauben erfahrbar. Dadurch und davon lebt Kirche.
Die Erfahrung der Auferstehung kann nicht von einem Algorithmus weitergegeben werden.
Bleiben wir menschlich, gerade im Glauben.
Ihr und euer
Diakon Edgar, der Diakon mit der Mütze.
Katholische Seelsorge in Korea www.dkgkorea.info
Das Bild wurde mit KI erstellt.