Gestern begann mein Tag mit einem Vers von Angelus Silesius (1624–1677). Das war ein schlesischer Mystiker, Arzt und Dichter, der in seinen kurzen, eindringlichen Versen die tiefe Einheit von Mensch, Natur und Gott in poetischen Bildern zum Ausdruck gebracht hat.
Und mein Tag endete mit einem wunderbaren Konzert, in dem Werke von Jean Sibelius (1865–1957) aufgeführt wurden. Der war ein finnischer Komponist, der mit seiner von Natur, Mythen und nordischer Weite inspirierten Musik den Klang einer ganzen Nation prägte und zu einer Symbolfigur finnischer Identität wurde.
Zwei Männer, sehr unterschiedlich in ihren Werken, zu ganz verschiedenen Zeiten gelebt. Und weil die Namen so ein bisschen ähnlich klingen, hab ich mal nach Parallelen gesucht zwischen den beiden.
Beide, Angelus Silesius und Jean Sibelius, suchten das Unsichtbare.
Der Mystiker Angelus Silesius formulierte in seinen Versen das Staunen über Gott, der in allem gegenwärtig ist: „Halt an, wo laufst du hin? Der Himmel ist in dir.“
Für ihn war Glauben kein Denken über Gott, sondern ein Erwachen in Gott. Seine Worte öffnen den Raum, in dem sich das Göttliche mitten im Menschlichen zeigt: im Atem, in der Stille, in der einfachen Gegenwart.
Jean Sibelius, der große Klangsucher Finnlands, hat diese Erfahrung nicht in Worte, sondern in Töne gefasst. Seine Musik trägt etwas von der Erfahrung der Schöpfung, das Rauschen des Waldes, das Schweigen des Schnees, die Weite des Lichts. In diesen Klängen spricht Gott nicht von außen, sondern von innen her: als zarte Bewegung, als Ahnung, als Trost.
Silesius betete in Sprache, Sibelius im Klang. Beide gaben der Sehnsucht nach Einheit mit dem Göttlichen Gestalt. Beide bringen auf ihre Weise Stille zum Ausdruck. Auf sehr unterschiedliche Weise.
Ihr und euer Diakon Edgar
Deutschsprachige Katholische Gemeinde Korea
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